Diabetes 2 - und jetzt?

 

Müdigkeit am Nachmittag, zunehmendes Bauchfett, Heißhunger auf Süßes, Schwierigkeiten beim Abnehmen oder ständig schwankende Energie – viele Menschen halten diese Beschwerden für normale Begleiterscheinungen des Älterwerdens und/oder ihres stressigen Lebensstils. Tatsächlich können sie auch erste Anzeichen einer Insulinresistenz sein, über die ich wirklich schon genug gesagt oder geschrieben habe. Wenn Du den Artikel dazu verpasst hast, kannst Du in hier https://www.personal-trainer-giessen.de/2025/05/17/deine-gesundheit/ noch mal nachlesen.

 

Was nun, wenn die Insulinresistenz schon vor Monaten nachgewiesen wurde, aber alles andere, wie Job, Familie etc. mal wieder wichtiger waren, als der eigene Körper und die Monate einfach wie im Flug vergangen sind? Okay, ich geb Dir ein Bild, damit Du den Ernst der Lage verstehst. Stell Dir einen Eisberg vor:

 

Unter der Wasseroberfläche:

Insulinresistenz, erhöhte Insulinspiegel, Fettleber, zweistelliges Viszeralfett auf der InBody-Analyse, häufige Entzündungen am und im Körper

 

An der Wasseroberfläche:

Bluthochdruck, erhöhte Blutfette

 

Die Spitze des Eisberges:

Diabetes Typ 2 

 

"So, und jetzt?", magst Du Dich fragen.... Definitiv sind wir dann in einem Bereich, wo Dein Mediziner gefragt ist. Möchtest Du Dich für den Arztbesuch etwas vorbereiten? Willst Du wissen, welche Vorgehensweisen dann angeraten sind? Welche Blutwerte wichtig wären? Dann lies hier bitte weiter:

 

Um zu verstehen, wie Diabetes entsteht, müssen wir zunächst einen Blick auf das Hormon Insulin werfen. Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse produziert und sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt, wo er als Energie genutzt werden kann.

 

Phase 1: Insulinresistenz

 

Noch mal als Wiederholung aus dem vorangegangenen Blogbeitrag "DEINE GESUNDHEIT": Bei einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen zunehmend schlechter auf Insulin. Die Bauchspeicheldrüse versucht dies zunächst auszugleichen und produziert immer größere Mengen Insulin. In dieser Phase sind die Blutzuckerwerte oft noch völlig unauffällig.

 

Die Betroffenen entwickeln häufiger:

 

* Bauchfett

* Heißhunger

* Müdigkeit nach Mahlzeiten

* Gewichtszunahme

* Schwierigkeiten beim Abnehmen

* erhöhte Triglyceride

* eine beginnende Fettleber

 

Viele Menschen befinden sich jahrelang in dieser Phase, ohne davon zu wissen und rutschen oft unbemerkt in die nächste Phase

 

Phase 2: Relativer Insulinmangel

 

Irgendwann reicht die erhöhte Insulinproduktion nicht mehr aus. Die Bauchspeicheldrüse produziert zwar weiterhin Insulin, jedoch nicht mehr genug, um die bestehende Insulinresistenz auszugleichen. Die Blutzuckerwerte beginnen anzusteigen.

 

Die dritte Phase: Absoluter Insulinmangel

 

Nach vielen Jahren kann die Bauchspeicheldrüse zunehmend erschöpfen. Die Insulinproduktion sinkt deutlich ab. Dann entsteht ein absoluter Insulinmangel, der häufig eine medikamentöse Behandlung oder sogar eine Insulintherapie erforderlich macht.

 

Welche Blutwerte sollte man frühzeitig überprüfen lassen?

 

Ausschließlich den Nüchternblutzucker zu bestimmen, reicht nicht aus, denn dieser Wert steigt oft erst relativ spät an.

 

Für eine frühzeitige Beurteilung des Stoffwechsels sind folgende Werte besonders hilfreich:

 

* Nüchternblutzucker

* HbA1c (Langzeitblutzucker)

* Nüchterninsulin

* HOMA-Index

* Triglyceride

* HDL-Cholesterin

* Leberwerte (ALT, AST, GGT)

* Harnsäure

 

Besonders das Nüchterninsulin wird leider viel zu selten bestimmt, obwohl es häufig schon Jahre vor einem erhöhten Blutzucker auffällig wird. Dann, wenn man durch eine stark kohlenhydratreduzierte und proteinfokussierte Ernährung noch etwas tun könnte. Vielleicht sogar dann, wenn die Leber noch unauffällig ist und sie einen ihrer Jobs, nämlich die der Fettverstoffwechslung noch gut erledigen würde.

 

Wann entsteht eine Fettleber?

 

Die nicht-alkoholische Fettleber gilt heute als einer der wichtigsten Motoren der Insulinresistenz. Sie entsteht, wenn die Leber über längere Zeit mehr Energie erhält, als sie verarbeiten kann.

 

Begünstigt wird dies durch:

 

* dauerhaft erhöhte Insulinspiegel

* Kalorienüberschuss

* Bewegungsmangel

* Übergewicht

* hochverarbeitete Lebensmittel

 

Die Leber beginnt daraufhin, Fett einzulagern. Dieses Leberfett verschlechtert wiederum die Insulinwirkung und verstärkt die Stoffwechselstörung. Du siehst: Es entsteht ein Teufelskreis.

 

 

Besonders Frauen berichten, dass sie ab Mitte 40 plötzlich zunehmen, obwohl sie ihre Ernährung kaum verändert haben. Ein wichtiger Grund dafür sind hormonelle Veränderungen während der Perimenopause und der Wechseljahre. Mit sinkenden Östrogenspiegeln verändert sich die Fettverteilung im Körper. Fett wird zunehmend im Bauchraum gespeichert. Gleichzeitig nimmt ohne Krafttraining die Muskelmasse häufig ab und die Insulinsensitivität verschlechtert sich. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten, den Hormonspiegel wieder auf ein gesundes Niveau anzuheben. Bezüglich Fitnesstraining ist mir eines wichtig, zu sagen: Gruppentraining wie Pilates, Yoga etc. reicht im Allgemeinen zum Muskelaufbau NICHT aus, da bei diesen Methoden nach einiger Zeit einfach der stetig ansteigende Widerstand fehlt. 

 

Warum ist Diabetes Typ 2 so gefährlich?

 

Diabetes betrifft nicht nur den Blutzucker. Langfristig können durch die hohen Blutzuckerspiegel nahezu alle Organsysteme geschädigt werden.

 

- Herz-Kreislauf-Erkrankungen

 

- Nervenschäden

- Augenschäden

 

- Nierenschäden

 

- Wundheilungsstörungen

 

 

Warum genau Krafttraining eine Schlüsselrolle spielt

 

Wenn es eine Maßnahme gibt, die ich jedem Menschen mit Insulinresistenz empfehlen würde, dann ist es Krafttraining. Die Muskulatur ist nämlich der größte Glukose-Speicher unseres Körpers. Jedes zusätzliche Kilogramm Muskelmasse verbessert die Fähigkeit des Körpers, Zucker aufzunehmen und zu verwerten. Wichtig: Gruppentraining wie Pilates, Yoga etc. reicht im Allgemeinen zum Muskelaufbau NICHT aus, da bei diesen Methoden nach einiger Zeit einfach der stetig ansteigende Widerstand fehlt.

 

Progressives Krafttraining verbessert die Insulinsensitivität

- erhöht den Energieverbrauch

- unterstützt die Gewichtsreduktion

- reduziert Leberfett

- schützt vor Muskel- und Knochenabbau im Alter

 

Besonders interessant: Bereits eine einzige Trainingseinheit kann die Zuckeraufnahme der Muskulatur für viele Stunden verbessern. Auf der anderen Seite kann bei einer Insulinresistenz ein Brötchen die Fettverbrennung für mehrere Tage unterbrechen. Ist's das WIRKLICH Wert?

 

Bei der Bekämpfung von Insulinresistenz, Prädiabetes und Diabetes Typ 2 ist derzeit ein ganz bestimmtes Eiweißmolekül in aller Munde, das grundsätzlich im Körper produziert wird. Und zwar im Dünndarm, sobald Nahrung dort ankommt. GLP-1, ein sogenanntes Peptidhormon, stellt die Kommunikation zwischen Darm, Bauchspeicheldrüse und Gehirn her. Verschiedene "Befehle" werden ausgegeben. Z. B. an die Bauchspeicheldrüse: "Es kommt Zucker - bitte Insulin bereitstellen",  an die Leber: "Bitte keine Energie (Zucker) ins Blut abgeben!", an den Magen: "Lass Dir Zeit!" und ans Gehirn: "Du bist satt!"

 

 

Das Hormon hilft unserem Körper also dabei, die Nahrungsaufnahme zu regulieren. Ziemlich cool, wenn dieser nicht auch vor die Hunde gehen würde, wenn wir ständig zu viel essen und uns zu wenig bewegen. Wer es so weit hat kommen lassen und dauerhaft Hunger hat, kämpft irgendwann nicht mehr gegen mangelnde Disziplin, sondern gegen verschiedene gestörte biologische Mechanismen. Dann haben wir nicht nur eine Insulin- sondern auch eine GLP-1-Resistenz. Abnehmen fällt dann deutlich schwerer.

 

Das Produkt der Pharma sind die sogenannten Abnehmspritzen Ozempic, Wegovy oder Mounjaro und nutzen genau diesen Mechanismus. Sie ahmen die Wirkung dieser körpereigenen Hormone nach und sorgen dadurch für:

 

* weniger Hunger

* schnellere Sättigung

* geringere Kalorienaufnahme

* verbesserte Blutzuckerwerte

* deutliche Gewichtsabnahme

 

Für Menschen mit starkem Übergewicht oder Diabetes können diese Medikamente medizinisch sinnvoll sein.

 

Wichtig ist jedoch zu verstehen:

 

Die Spritze behandelt nicht die Ursache des Problems.

 

Sie erleichtert es vielen Menschen, die notwendigen Veränderungen umzusetzen.

 

Welche Alternativen gibt es zur Spritze?

 

Die gute Nachricht lautet:

 

Viele Effekte lassen sich auch durch gezielte Lebensstilmaßnahmen erreichen.

 

Natürlich oft langsamer – dafür jedoch nachhaltig und deutlich kostengünstiger.

 

10 konkrete Schritte für eine bessere Insulinsensitivität

 

1. Krafttraining durchführen

 

2 bis 4 Einheiten pro Woche können den Stoffwechsel nachhaltig verbessern.

 

2. Nach dem Essen bewegen

 

Schon 10 bis 15 Minuten Spazierengehen nach einer Mahlzeit senken Blutzuckerspitzen.

 

3. Jede Mahlzeit mit Eiweiß kombinieren

 

Eiweiß verbessert die Sättigung und stabilisiert den Blutzucker.

 

4. Mehr Ballaststoffe essen

 

Gemüse, Hülsenfrüchte, Haferflocken, Leinsamen und Beeren sind hervorragende Quellen.

 

5. Flüssige Kalorien reduzieren

 

Softdrinks, Fruchtsäfte und gesüßte Getränke belasten den Stoffwechsel oft stärker als gedacht.

 

6. Schlaf priorisieren

 

7 bis 9 Stunden Schlaf unterstützen die Insulinwirkung.

 

7. Bauchfett reduzieren

 

Bereits 5 bis 10 Prozent Gewichtsverlust können die Stoffwechselgesundheit deutlich verbessern.

 

8. Mehr Alltagsbewegung integrieren

 

Jeder zusätzliche Schritt zählt.

 

9. Die Leber entlasten

 

Gewichtsreduktion, Bewegung und ausreichend Eiweiß helfen, Leberfett abzubauen.

 

10. Blutwerte regelmäßig kontrollieren

 

Frühes Erkennen verhindert oft spätere Probleme. Kann Diabetes Typ 2 wieder verschwinden? Der Begriff „Heilung“ wird in der Medizin selten verwendet. Was jedoch möglich ist, nennt sich Remission. Dabei normalisieren sich die Blutzuckerwerte dauerhaft und Medikamente werden teilweise oder vollständig überflüssig. Besonders gute Chancen bestehen in frühen Krankheitsstadien.

 

Die wichtigsten Hebel dafür sind (wieder mal):

 

* Gewichtsreduktion

* Verringerung des Leberfetts

* Krafttraining

* Muskelaufbau

* regelmäßige Bewegung

* eiweiß- und ballaststoffreiche Ernährung

* ausreichend Schlaf

* Stressmanagement

 

Mein Fazit

 

Diabetes Typ 2 beginnt meist lange bevor die Diagnose gestellt wird.

 

Die eigentliche Erkrankung startet häufig mit einer Insulinresistenz, die über Jahre unbemerkt bleibt und sich durch Bauchfett, Heißhunger, Müdigkeit und zunehmende Stoffwechselprobleme bemerkbar machen kann. Die gute Nachricht ist: Unser Stoffwechsel ist anpassungsfähig.

 

Mehr Muskelmasse, regelmäßige Bewegung, ausreichend Eiweiß, guter Schlaf und weniger Bauchfett gehören zu den wirksamsten Maßnahmen, die wir kennen.

 

Die aktuell viel diskutierten Abnehmspritzen können dabei für manche Menschen eine wertvolle Unterstützung sein. Langfristig werden Teil der Behandlungsmethoden von Diabetes werden. Sie ersetzen jedoch nicht die Grundlagen eines gesunden Lebensstils.

 

Je früher wir handeln, desto größer ist die Chance, den Stoffwechsel wieder auf Kurs zu bringen – bevor aus einer Insulinresistenz ein Diabetes wird.

 

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